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Aufbauweiterbildung zur Systemisch-Integrative Sexualtherapie (DGfS) 2026/27

Aufbauweiterbildung zur Systemisch-Integrative Sexualtherapie (DGfS) 2026/27
Zertifiziert nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS)

Die anderthalbjährige Weiterbildung Systemisch-Integrative Sexualtherapie (DGfS) ist konzipiert, um dem hohen Bedarf an professioneller sexualpsychotherapeutischer Begleitung gerecht zu werden. Sie richtet sich explizit an psychotherapeutische Fachpersonen, die ihre Kompetenzen in der Behandlung sexueller Probleme und Störungen fundiert und umfassend vertiefen möchten.
Ein zentrales Anliegen der Weiterbildung ist es, den Teilnehmenden einen fundierten Überblick über zentrale sexualtherapeutische Schulen und Arbeitsansätze zu vermitteln – darunter sexualwissenschaftliche und sexualmedizinische Grundlagen, Systemische Sexualtherapie, differenzierungsbasierte Sexual- und Paartherapie, Hamburger- & Hannover Modell, Syndiastische Sexualtherapie und Sexocorporel. Auf dieser Grundlage möchten wir eine methodenübergreifende Handlungssicherheit ermöglichen, um Menschen mit sexuellen Funktionsstörungen gemäß ICD-11 – etwa bei vermindertem Verlangen, Störungen der Erregung, des Orgasmus oder der Ejakulation sowie bei sexuellen Schmerzstörungen – ebenso wie bei krankheits- oder traumaassoziierten Belastungen professionell und fundiert begleiten zu können.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem professionellen Umgang mit komplexen sexualpsychotherapeutischen Themenfeldern wie sexueller Gewalt, Fetischen und BDSM, paraphilen Störungen und Störungen der Sexualdelinquenz sowie auf einem achtsamen und respektvollen Zugang zu trans*, inter* und queeren Lebensrealitäten und derer Begleitung. Die Teilnehmenden entwickeln einen differenzierten Blick für Indikationen, therapeutische Möglichkeiten und Interventionsformen – ebenso wie für die Grenzen des eigenen Handelns und die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Unser Ziel ist es, eine fundierte theoretische Basis zu schaffen und zugleich durch Dozierende mit hohem Praxisbezug ein vertieftes, erfahrungsorientiertes Lernen zu ermöglichen. Dabei prägt uns eine Haltung des absoluten Respekts gegenüber Selbstbestimmung und Vielfalt – sei es im Spektrum der Asexualität ebenso wie im Sexpositivismus. Wir möchten Sie sprachlich sicher machen und in Ihrer fachlichen Kompetenz stärken, damit Sie Klient:innen und Patient:innen mit Empathie und Professionalität unterstützen können. Gleichzeitig möchten wir Sie darin bestärken, auch anspruchsvolle sexualpsychotherapeutische Themen mit Leichtigkeit, Selbstbewusstsein und Freude in Ihre berufliche Praxis zu integrieren.

Wir betrachten Sexualtherapie als einen eigenständigen Bereich der Psychotherapie, der spezifische Dynamiken und besondere Herausforderungen umfasst. Um dieses Wissen professionell und qualitativ hochwertig zu vermitteln, entspricht dieser Lehrgang den Richtlinien „Sexualtherapie (DGfS)“ der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung. Da diese Weiterbildung neu konzipiert wurde, sind Anpassungen oder Erweiterungen möglich.

Zielgruppe & Zulassungsvoraussetzungen

Die Weiterbildung „Systemisch-Integrative Sexualtherapie (DGfS)“ richtet sich an psychotherapeutische Fachpersonen. Für die Teilnahme gelten die offiziellen Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS):

  • Abgeschlossene oder fortgeschrittene psychotherapeutische Ausbildung (Approbation) oder eine äquivalente Qualifikation (bspw. Systemische Therapie SG/DGSF) sowie die
  • Möglichkeit, Paararbeit in der eigenen Praxis oder Institution während der Weiterbildung durchzuführen.


Wichtig:
Für eine verbindliche Anmeldung benötigen wir von Ihnen den oben genannten Nachweis (Abschluss oder SG/DGSF Nachweis). 
Bitte melden sie sich über die Webseite an und schicken uns danach die Unterlagen als PDF und per Email an info@igst.org.

Hinweis:
Für Interessierte ohne psychotherapeutische Approbationsausbildung oder einer äquivalenten Ausbildung bieten wir die fünfteilige Seminarreihe „Systemisch-Integrative Sexualberatung (DGfS)“ über 5 Module á 2 Tage an, welches ebenfalls von der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung zertifiziert ist.

Dauer & didaktisches Konzept 

Die Weiterbildung gliedert sich in 9 Module über je 2,5 Tage, umfasst insgesamt 180 Unterrichtseinheiten (UE à 45 Minuten) und wird berufsbegleitend durchgeführt.

  • 150 UE Theorie & Praxis inkl. Fallarbeit
  •  30 UE Themenzentrierte Selbstreflexion

Zusätzlich sind in Eigenorganisation zu erbringen:

  • Voraussetzung für das institutseigene igst-Zertifikat: 60 UE Gruppen-Supervision von DGfS benannten Supervisor:innen (bspw. 6 einzelne Tage Online)
  • Voraussetzungen für das DGfS-Zertifikat: Durchführung und Dokumentation von mindestens 40 Sitzungen (mindestens 2 Fälle über mehrere Sitzungen) sowie 8 Erstgespräche – mit Darstellung von Anamnese, Symptomverständnis und Therapieverlauf

Das Curriculum ist erfahrungsorientiert, interaktiv, praxisnah sowie integrativ aufgebaut und beinhaltet je nach Modul unterschiedliche Lehr- und Lernmethoden. Um ein interaktives Lernen und Erfahren zu ermöglichen, können inhaltliche Schwerpunkte variieren.

  • Fachliche Inputs und Diskussion
  • Kleingruppenarbeit, Rollenspiele und Übungen
  • Fallbesprechungen und/oder Demonstrationen bzw. Videomaterial
  • Selbsterfahrung, Literatur- und Selbststudium


Lehrinhalte nach DGfS-Kriterien: Aufbau der modularen Weiterbildung

  • Modul 1: Grundlagen & Methoden der Systemischen Sexualtherapie (Nele Sehrt)
    Systemische Haltung & Fragetechniken; Prozesssteuerung & Neutralität; Erstgespräch & Auftragsklärung; Sexuelle Gesundheit & Psychosexuelle Entwicklung; Problemverständnis, Hypothesenbildung & Indikationsstellung; Sexualberatung vs. Sexualpsychotherapie; Beziehungsaufbau, -gestaltung & -dynamik; Gesprächsführung inkl. Besonderheiten im Präsenz- und Onlinesetting; Wertesystem vs. Lustsystem; Sexualanamnese & Fallkonzeption

  • Modul 2: Endokrinologische/Sexualmedizinische Grundlagen (Dr. Stephanie Kossow)
    Ebenen von Geschlecht, Anatomie, Physiologie & Endokrinologie; STI inkl. HIV & AIDS; medizinische Behandlungen (medikamentös, operativ etc.); Sexualität bei körperlichen Belastungen, BeHinderung & körperlichen Erkrankungen; belastende/traumatische Geburtserfahrungen inkl. Fehl- & Totgeburt; hormonelle Veränderungen & Sexualität über die Lebensspanne (Pubertät, Schwangerschaft, nach Schwangerschaftsabbruch, Geburt; Schilddrüse, Menopause & Andrenopause); medikamentöse Auswirkungen auf Sexualität & Lustempfinden; Einführung in die Syndyastische Sexualtherapie  

  • Modul 3: Männlichkeit vs. Weiblichkeit (Julia Henchen), kultur- und religionssensibles Vorgehen (Magdalene Zidi) & Beckenbodenphysiotherapie (Patricia Liebeskind)
    Leistungsdruck & Einfluss von Medien; Geschlechtermythen, feministische & patriarchale Blickwinkel; hypnotherapeutische Ansätze bei Lustlosigkeit; Einführung in das Hannover Modell; kulturelle, religiöse & familiäre Skripte zu Sexualität; kulturell geprägte Konfliktfelder wie Jungfräulichkeit oder sexuelle Orientierung; Einfluss religiöser & eurozentristischer Normen auf sexuelle Deutungsmuster; Umgang mit Mehrsprachigkeit, Migration, Diskriminierung & Rassismus; Becken- & Genitalsystem und (patho)physiologische Zusammenhänge bei div. Störungsbildern; physiotherapeutische Diagnostik & Interventionen   

  • Modul 4: Anatomisch-sexuologische Grundlagen & Paardynamische Funktionslösungen (Nele Sehrt)
    Integration verschiedener sexualtherapeutischer Verfahren (Sensate Focus, Differenzierungsbasierte Sexual- und Paartherapie, Sexocorporel), Psychodynamische, lerntheoretische, systemische und psychotraumatologische Erklärungsmodelle im Hinblick auf Individuen, Paare und Beziehungsgefüge; Erregungsmodi & Rezeptoren-Screening; sexuologische Basics & Logik des Systems, Masturbation vs. Paarsexualität; Erregung – Stimulation – Penetration; Sexualfeindlichkeit vs. Sexpositivismus  

  • Modul 5: Sexuelle Funktionsstörungen – Theorie & Fallvignetten (Nele Sehrt)
    Theoretische Grundlagen, diagnostische Kriterien und therapeutische Zugänge zu sexuellen Funktionsstörungen gemäß ICD-11 (Sexuelle Dysfunktionen [HA0]): Hypoaktives sexuelles Verlangen (HA00), Sexuelle Erregungsstörung (HA01), Orgasmusstörungen (HA02), Ejakulationsstörungen (HA03); klinische Erscheinungsformen: Erektionsstörungen, vorzeitiger Samenerguss, Vaginismus, Penetrationsschmerzen; Sexuelle Schmerzstörungen [HA2]; Störung mit zwanghaftem Sexualverhalten [6C72] und Pornografienutzungsstörung  

  • Modul 6: Diversität, sexuelle Vielfalt & Transitionsbegleitung (Dr. Janis Renner)
    Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Lebenswelten und Identitäten (Sexualitätskonzepte, sexuellen Vorlieben, Geschlechtsrollen und Geschlechtsidentitäten, sexuellen Orientierung, LGTBQIA+); Geschlechterungleichheit und -mythen, Cis-Hetero- und Queernormativität; Risikosexualität & Sexuelle Gewalt; Therapie bei Geschlechtsinkongruenz [HA6] und -dysphorie; Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag (SBGG); körperorientierte Achtsamkeit und Interventionen (Sexological Bodywork)  

  • Modul 7: Sexuelle Fantasien, BDSM & Fetische (Carina Pflumm)
    Arbeit mit sexuellen Fantasien im Einzel- und Paarkontext; Psychosexuelle Funktionen von Fantasien & Präferenzen; differenzialdiagnostische Abgrenzung nicht-klinischer paraphiler Interessen; BDSM & Fetisch: Differenzierung, Begriffe & Konzepte, multifaktorielle Erklärungsmodelle, Affektregulation; Forschungslage, gesellschaftliche Skripte, Stigmatisierung & Scham; Praxistransfer: therapeutische Arbeit an Selbstkonzept, Paardynamik & Risikoeinschätzung  

  • Modul 8: Paraphilien, Pädosexualität & Sexualdelinquenz (Annika Flöter)
    Paraphile Störungen [6D3]; Sexuelle Übergriffigkeit und Sexualdelinquenz; Diagnostik und Ätiologische Ansätze; Therapeutisches und strukturelles Vorgehen bei paraphilen Störungen und Sexualdelinquenz insbesondere Pädokriminalität; Arbeit mit paraphilen Neigungen im Einzel- und Paarsetting; Grenzen und Möglichkeiten des eigenen Handelns und Settings; Abgrenzung bei grenzüberschreitendem Verhalten; Gesetze des Sexualstrafrechts; Schweigepflicht (z. B. bei Sexualdelinquenz); Grundlagen des Hamburger Modells  

  • Modul 9: Sexualität im Kontext von psychischen Erkrankungen & Trauma (Nele Sehrt)
    Dissoziative Störungen [6B6], Posttraumatische Belastungsstörung [6B40] und komplexe posttraumatische Belastungsstörung [6B41] und weitere psychische Störungen wie depressive Störungen, Angststörungen oder Zwangsstörungen sowie bei belastenden Erfahrungen wie Kinderwunsch und -losigkeit; Therapie sexueller Traumafolgen im Einzel- und Paarsetting; herausfordernde Gesprächssituationen bei traumatischen Erfahrungen, emotionaler Überforderung, Dissoziation; Abschlusskolloquium

    Gastdozierende:
    Dr. med. Stephanie Kossow (Ärztliche Psychotherapeutin TP & Sexualmedizinerin)
    Dr. M.Sc. Psych. Janis Renner (Psychotherapeut i.A.)
    Carina Pflumm (Sexual- & Paartherapeutin)
    Dipl.-Psych. Annika Flöter (Psychotherapeutin TP)
    Julia Henchen (Systemische Therapeutin DGSF & Sexualtherapeutin)
    Magdalena Zidi (Sexologin & Sexual-/Traumapädagogin)
    Patricia Liebeskind (Klinische Sexologin & Beckenbodenphysiotherapeutin)


Veranstaltungsort
Hamburg & Online
Zusätzliche Informationen
Akkreditierung:
Die Akkreditierung zur Erlangung von Fortbildungspunkten über die Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg ist beantragt.

Abschluss, Zertifikat & DGfS-Zertifizierung:
Nach erfolgreicher Teilnahme an allen neun Modulen (max. 10% Fehlzeit plus 60 UE Supervision, welche außerhalb der Weiterbildung in Eigenleistung absolviert werden müssen) erhalten die Absolvent:innen:
• ein institutseigenes Zertifikat in „Systemisch-Integrative Sexualtherapie (igst)“,
• die Möglichkeit, das DGfS-Zertifikat „Sexualtherapie (DGfS)“ zu beantragen.

Voraussetzungen für das DGfS-Zertifikat:
• Erfüllung der genannten Zugangskriterien
• Nachweis über die Teilnahme an allen Modulen durch das institutseigene Zertifikat (max. 10 % Fehlzeiten, Nachweis über 110 UE Theorie und Praxis sowie 30 UE Selbstreflexion und zusätzlich 60 UE Supervision außerhalb der Weiterbildungstermine)
• Durchführung und Dokumentation von mindestens 40 Sitzungen (mindestens 2 Fälle über mehrere Sitzungen) sowie 8 Erstgespräche – mit Darstellung von Anamnese, Symptomverständnis und Therapieverlauf

Der Antrag auf Zertifizierung durch die DGfS erfolgt innerhalb von sechs Monaten nach dem letzten Ausbildungsmodul über die Weiterbildungsleitung, dem auch die erforderlichen schriftlichen Nachweise über die erbrachten Leistungen vorzulegen sind.


Kosten:
Die Weiterbildung umfasst 9 Blöcke à 2,5 Tage (180 UE) und kann nur im Gesamten gebucht werden (pro Modul 630,- €).

Im Gesamtpreis sind nicht enthalten:
Anreise, Übernachtung und Verpflegung sowie die zusätzlichen Kosten (ca. 900 €) für die selbst organisierten 60 UE Fall-Supervisionen (bspw. Online in der Gruppe an sechs einzelnen Tagen) im Rahmen der Anerkennung durch die DGfS. Zusätzlich fällt für die Bearbeitung des Zertifizierungsantrags bei der DGfS eine einmalige Verwaltungsgebühr von 120 € an, die von allen Teilnehmenden unabhängig von der Nutzung oder dem Ausgang des Anerkennungsverfahrens zu entrichten ist.

Anmeldung:
Für eine verbindliche Anmeldung benötigen wir von Ihnen den oben genannten Nachweis (Abschluss oder SG/DGSF Nachweis). 
Bitte melden sie sich über die Webseite an und schicken uns danach die Unterlagen als PDF und per Email an info@igst.org.

Termine
Block 1  Fr. 21.08.2026 10:00 – So. 23.08.2026 13:30
Block 2  Fr. 09.10.2026 10:00 – So. 11.10.2026 13:30
Block 3 online  Fr. 11.12.2026 10:00 – So. 13.12.2026 13:30
Block 4  Fr. 26.02.2027 10:00 – So. 28.02.2027 13:30
Block 5  Fr. 09.04.2027 10:00 – So. 11.04.2027 13:30
Block 6  Fr. 18.06.2027 10:00 – So. 20.06.2027 13:30
Block 7  Fr. 13.08.2027 10:00 – So. 15.08.2027 13:30
Block 8  Fr. 01.10.2027 10:00 – So. 03.10.2027 13:30
Block 9  Fr. 03.12.2027 10:00 – So. 05.12.2027 13:30
Kosten

5.670,00 Euro

Pro Block 630,00 € (Ratenzahlung ist Blockweise möglich per SEPA-Lastschriftmandat).
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